Frauenauracher Klostergeschichte in Straßennamen

 

Unzählige Male sind wir an den Straßenschildern vorbeigegangen oder -gefahren: Wallenrodstraße, Herdegenplatz, Klostermühlgasse, Heerfleckenstraße ... Hier sind kleine Reste der Frauenauracher Ortsgeschichte sichtbar, die ja immer auch die Geschichte des Klosters ist. Lassen Sie uns also einen geschichtsträchtigen Spaziergang durch Frauenaurach machen:

Wir beginnen bei unseren katholischen Glaubensbrüdern und gehen von der katholischen Kirche aus die Albertusstraße ins Ortsinnere. Die Straße, die vor Frauenaurachs Eingemeindung zu Erlangen am 1.7.1972 Hüttendorfer Straße hieß, ist natürlich nach dem Namenspatron der St.-Albertus-Magnus-Kirche benannt, dem scholastischen Gelehrten und Kirchenlehrer, der im 13. Jahrhundert lebte.

Wir passieren die Einmündung der Gostenhofer Straße. Dieser Straßenname bezieht sich auf den Ortsteil südlich der Aurach, eben Gostenhof. Eine etwas kuriose Geschichte ist hier zu berichten: Die Brückenstrasse war ursprünglich die heutige Gostenhofer Straße, die Umbenennung erfolgte bei Frauenaurachs Eingemeindung. Das Stadtarchiv setzte allerdings durch, daß der Name „Gostenhofer Straße“ erhalten werden solle, deshalb benannte man die ehemalige Bahnhofstraße in Gostenhofer Straße um, was quasi einer Verlegung der Gostenhofer Straße über die Brücke hinweg entspricht.

Bevor wir die Aurach überqueren, lassen wir noch rechts die Heerfleckenstraße liegen. Diese Bezeichnung hat nichts Kriegerisches an sich, sondern mit dem „hêren Flecken“ war ein Flurstück gemeint, das dem Kloster Frauenaurach gehörte; hêr bedeutet „heilig, vornehm“.

Wir gehen nun nicht über die alte Aurachbrücke, sondern über den kleinen Fußgängersteg, der uns direkt in die Klostermühlgasse bringt. Die Klostermühlgasse hieß auch schon Klostermühlweg und vor 1952 Mühlstrasse. Natürlich stand hier die Klostermühle Pate, die, 1530 urkundlich erwähnt, bis 1982 in Betrieb war.

Wir folgen der Klostermühlgasse, hinter dem Mesnerhaus vorbei, und treffen auf die Wallenrodstraße. Mit der Eingemeindung wurden Haupt- und Dorfstraße nach Kunigunde von Wallenrod umbenannt, der letzten Priorin des Frauenauracher Klosters. Ihre Grabplatte befindet sich übrigens im Chorraum der Kirche.

Wenn wir an der Kirche vorbeigegangen sind, liegt rechts der Herdegenplatz, dessen Name den 1276  verstorbenen Stifter des Dominikanerinnenklosters, Herdegen von Gründlach, ehrt.

Wir wenden uns aber nach links und kommen von den beiden wichtigen Persönlichkeiten nun zu einem genußreichen Teil der Klostergeschichte, dem Brauwesen. Die Brauerei, an die der Name Brauhofgasse erinnert, wurde erst nach der Aufhebung des eigentlichen Klosters (1549/50) auf dem ehemaligen Klostergelände errichtet, vermutlich zusammen mit dem Schloss (1616). 1923 ist aus der Brauerei eine Mälzerei geworden, doch der Straßenname erinnert noch an Frauenauracher Brautradition.

Nichtamtlich hieß die Brauhofgasse übrigens auch Schulstraße, da sich in dem Gebäude, das heute den Jugendclub Arche Noah beherbergt, 1889 bis 1960 die Schule befand.

Wenn wir nun an der Mälzerei vorbei in den Aurachgrund weiterspazieren, können wir, nachdem wir den Mühlbach überquert haben, auf einen kleinen Fußweg nach links abbiegen, der uns dann von hinten in den Mühlgarten führt. Der Name erinnert an das Flurstück mit dieser Bezeichnung neben der Straße, das zur Klostermühle gehörte und dem Anbau von Obst und Gemüse diente. Interessanterweise wurde bei der Straßenbenennung 1987 der Name „Willi-Grasser-Weg“ abgelehnt, der dann kurze Zeit später im neuen Gewerbegebiet am Ende der Wilhelm-Tell-Straße Verwendung fand und an den Brauer und ersten gewählten Bürgermeister Frauenaurachs, Willi Grasser, erinnert.

Wer noch weitere Spaziergänge auf den Spuren des Klosters machen möchte, dem können wir noch die Straße Klosterwald empfehlen, die von der Karl-May-Straße aus direkt ins Klosterholz führt. Dieser Wald gehörte bis zur Aufhebung des Klosters den Dominikanerinnen und diente ihnen zur Deckung ihres Holzbedarfes.

Der Name „Klosterwald“ ersetzte die vorher gebräuchliche Bezeichnung „Am Kuhwasen“, deren Anwohner diese als „hässlichste Straßenbezeichnung Frauenaurachs“ ablehnten. Die Kinder und ihre Eltern scheint der Name weniger zu stören, denn der dort gelegene Spielplatz heißt nach wie vor Kuhwasen.

Sollte der/die eine oder andere Leser/in auf den Geschmack gekommen sein, dann sei ihm/ihr als unterhaltsame Lektüre das Buch „Schildergeschichten – Das Lexikon aller Erlanger Straßennamen“ von Hans-Diether Dörfler, ISBN 978-3-938903-21-6, empfohlen, das als Sonderband 5 der Erlanger Bausteine zur Fränkischen Heimatforschung erschienen ist und dem viele der im Text verwendeten Informationen entnommen sind.

Cordula Görtz