Ostern trägt die Kirche Weiß

Über die liturgischen Farben

Ursprünglich bedeutet das Wort Parament „den Tisch bereiten“ (lat.: parare mensam) und steht für alle im Kirchenraum verwendeten Textilien – also von der Altarauflage bis zu den Tüchern, die zur Reinigung der Abendmahlsgeräte verwendet werden. 

Wenn wir von Paramenten sprechen, meinen wir normalerweise die in den wechselnden liturgischen Farben gefertigten Tücher an Kanzel (Kanzelbehang) und Altarunterbau (Antependium), in manchen Kirchen auch am Lesepult. 

Die Farbgebung wechselt bekanntlich durch das Kirchenjahr, und zwar nach einem Kalender, der (mit wenigen Ausnahmen) in der gesamten lutherischen Kirche einheitlich verwendet wird (s. Liturg. Kalender, Gesangbuch Nr. 910). Übrigens weicht diese Farbzuweisung zu den Feiertagen nur wenig von der der katholischen Kirche ab:

Grün

Grün könnte man als liturgische Grundfarbe bezeichnen. Die grünen Paramente schmücken die Kirche immer dann, wenn keine Anlässe andere Farben verlangen. Dies betrifft vor allem die Sonntage nach Trinitatis und nach Epiphanias (ohne diese Feste selber) und vor der Passionszeit, also etwa zwei Drittel des Kirchenjahres.

Violett 

Die Farbe der evangelischen Kirche schlechthin ist unter anderem als Fahne (violettes Kreuz auf weißem Grund), zur Kennzeichnung des liturgischen Teils im Gesangbuch, in der Kleidung kirchlicher Würdenträger und als Farbe der Buße präsent. Sogar die Nationalsozialisten sahen Violett als Symbolfarbe für Widerstand aus Glaubensgründen und markierten die inhaftierten Zeugen Jehovas im KZ mit violetten Winkeln. Manch einer wird noch aus nostalgischen Gründen eines jener lila Tücher vom Kirchentag aufgehoben haben, die man in den Achtzigern aus Protest gegen Massenvernichtungswaffen um den Hals geschlungen hatte. 

Liturgisch wird Violett ausschließlich zu Zeiten der Buße verwendet, also zu den klassischen Fastenzeiten Advent und Passionszeit sowie natürlich am Buß- und Bettag.

Weiß

Die Farbe Weiß gehört vor allem zu den großen Festen Weihnachten und Ostern sowie den darauffolgenden Festzeiten. Kleinere Feste, die mit Christus in Verbindung gebracht werden (Epiphanias, letzter Sonntag nach Epiphanias, Gründonnerstag, Trinitatis, Johannis- und Michaelistag), kommen dazu. In manchen Gemeinden wird Weiß auch bei Bestattungen verwendet.

Rot

Die leuchtend roten Paramente sind den Tagen vorbehalten, die mit dem Wirken des Heiligen Geistes in Verbindung stehen. Vor allem sind dies Pfingsten und das Reformationsfest, aber auch die Konfirmationssonntage, Kirchweih und - was ein eher seltenes Ereignis ist - bei einem Ordinationsgottesdienst. So kommt es, dass am Sonntag nach Johanni (24. Juni) in Kriegenbrunn bei roten Paramenten Kirchweih gefeiert wird, während in Frauenaurach für den Johannistag die Farbe Weiß gilt. 

Schwarz

Schwarz, als klassische Farbe der Trauer, wird (von Beerdigungen abgesehen) nur ein einziges Mal im Jahr aufgelegt, nämlich an Karfreitag (streng genommen bis zum Beginn des Osternachtsgottesdienstes, wo die schwarzen Paramente gegen weiße ausgetauscht werden).

Schwarz gilt in der lutherischen Kirche eigentlich nur als liturgische Nebenfarbe, die aber in vielen Gemeinden als Farbe des Karfreitags verwendet wird. Weitere liturgische Nebenfarben sind Rosa (in einzelnen Gemeinden an bestimmten Sonntagen der Passions- und Adventszeit) und Blau (v. a. in Schweden und bei einer lutherischen Kirche der USA).

In der Erlanger Hugenottenkirche sucht man dies alles übrigens vergebens. Allgemein kennt die Reformierte Kirche keine liturgischen Farben.

In der katholischen Kirche werden die liturgischen Farben ähnlich verwendet, Bestandteile des Farbenkanons sind hier neben Grün, Violett, Weiß und Rot ebenfalls Rosa, manchmal auch Blau und Schwarz.

Matthias Görtz