Zurück zur Startseite

Ev. Kirchengemeinden Frauenaurach und Kriegenbrunn

Das Thema: Reformation

Mal ehrlich: was feiern wir am 31. Oktober? Nun erwarten wir nicht die Antwort „Halloween“, zumal schon das Thema auf den Reformationstag hinweist und der eine oder die andere vielleicht schon für die Gemeindereise zu den Lutherstätten angemeldet ist. Aber warum feiern wir das Reformationsfest mit Festgottesdiensten gerade an diesem Datum? Und was genau passierte bei der Reformation? Und wie wirkte sie sich auf Frauenaurach aus? Mathias Goertz hat ein paar Daten zusammengetragen und sortiert. Ach ja: Martin Luthers Geburtstag ist übrigens nicht am 31. Oktober, sondern drei Wochen vorher.

Der Reformator

 
Luther Haus in Eisenach

  Das Lutherhaus in Eisenach

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Er studierte an der philosophischen Fakultät u.a. auf Wunsch seines Vaters Rechtswissenschaften, wandte sich aber schließlich der Theologie zu und wurde Augustinermönch. Am meisten beschäftigten ihn die zentrale Frage „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ und die Angst, bei ungenügender Buße und Reue keine gültige Absolution zu erhalten.

Schließlich entdeckte Luther die „Gerechtigkeit Gottes allein aus Gnade“, was ihn sowohl endlich von seinen Gewissensqualen befreite, als auch an den Praktiken der Kirche - insbesondere dem Ablasshandel - zweifeln ließ. Auch die Amtsführung der Päpste seiner Zeit und die Verweltlichung des Klerus weckten in ihm den Wunsch nach einer Reform der Kirche gemäß dem Evangelium.

Am 31. Oktober 1517 nagelte Luther - zumindest nach der Überlieferung - einen Aufruf zur Disputation an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Diese berühmten 95 Thesen zum Ablasshandel (natürlich auf Lateinisch!) hatten eine unerwartet breite Wirkung und brachten ihm einen Ketzerprozess ein. Er verbrannte die päpstliche Bannandrohungsbulle (was die Beziehungen zu Rom nicht eben verbesserte) und weigerte sich zu widerrufen, wofür die Reichsacht über ihn verhängt wurde.
  

Kurfürst Friedrich III. von Sachsen nahm ihn 1522 auf der Wartburg in Schutzhaft, wo Luther das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte.

Ablasshandel

Zur Finanzierung des Petersdoms in Rom und zur Tilgung der Schulden bei den Fuggern verkaufte die Kirche zu Luthers Zeiten sog. Ablassbriefe, die gegen Geld dem Zahlenden bzw. seinen bereits gestorbenen Angehörigen die Erlösung ihrer Seele vom Fegefeuer bringen sollten. Der Ablassprediger Johann Tetzel wirkte auch in Sachsen, wo er Luthers folgenreichen Unmut erregte. In Jüterbog ist ein Tetzelkasten zur Aufbewahrung der Bußgelder erhalten, der Tetzel entwendet worden war. Der Dieb Hans von Hake hatte bereits im Vorfeld einen Ablassbrief für seine Untat erworben ...

Die Reformation zieht Kreise ...

  Die Wartburg in Eisenach

Die Humanisten, mehrere Reichsfürsten sowie das Stadtbürgertum ließen sich aus ganz unterschiedlichen Motiven für die neuen Ideen gewinnen, was Luther selber teilweise stark missbilligte. Auch die unter der Leibeigenschaft leidenden Bauern sahen sich durch Luthers Ideen bestätigt, was ab 1524 zu lokalen Aufständen und schließlich dem Bauernkrieg führte. Dass sich die – wie Luther es formulierte – „mörderischen Rotten der Bauern“ auch gegen die Kirche wandten, ist verständlich. Schließlich lebten die zahlreichen Klöster und Kirchenfürsten prächtig vom Feudalsystem. So flüchteten 1525 auch die Dominikanerinnen des Frauenauracher Klosters vor der Plünderung ins gerade evangelisch gewordene Nürnberg.
1530 wurden die theologischen Grundlagen des Protestantismus im „Augsburger Bekenntnis“ zusammengefasst, das aber die erhoffte Einigung auch nicht herzustellen vermochte. Ein Jahr später schlossen sich die protestantischen Fürsten und Städte zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Damit war die Kirche endgültig gespalten – was Luther eigentlich nie beabsichtigt hatte.

 

... bis nach Frauenaurach

Martin Luther, Portrait von Lucas Cranach d.Ä. (1529) und Unterschrift

1531 wurde mit Melchior Kohlmann erstmalig (für drei Jahre) ein evangelischer Pfarrer nach Frauenaurach berufen, obwohl das (katholische!) Kloster erst 1549, nach dem Tod der letzten Priorin Kunigunde von Wallenrod, aufgehoben wurde. Inzwischen (seit 1534) lag die Bibel komplett aus den Urtexten übersetzt vor und erfuhr durch die Möglichkeiten des Buchdrucks enorme Verbreitung.
1553 wurden in Frauenaurach Kloster und Kirche im 2. Markgrafenkrieg zerstört. Bis zum Wiederaufbau stand der Gemeinde über drei Jahrzehnte lang nur die Kriegenbrunner Kirche zur Verfügung. In diese Zeit, nämlich 1555, fällt auch die Anerkennung der lutherischen Reformation im Augsburger Religionsfrieden. Jeder Landesherr hatte nun das Recht, selber die Konfession zu bestimmen. Auch Frauenaurach wurde auf diesem Wege ganz offiziell evangelisch. Luther hatte diese Anerkennung nicht mehr erlebt, er war am 18. Februar 1546 in Eisleben gestorben.

... „bis an die Enden der Erde“

Nicht nur in Franken hatte die Reformation schnell Fuß gefasst. Der politische Fleckerlteppich des Deutschen Reiches wurde zum konfessionellen Mosaik katholischer und evangelischer Kleinstaaten, und auch über das restliche Europa (vor allem nach Skandinavien und ins Baltikum) breitete sich die neue Lehre aus, durch protestantische Kolonialmächte - wie die Niederlande oder das preußisch dominierte Deutsche Reich - später auch weltweit.

 


... und kein Frieden!

Ausschnitt „Friedenspostreiter“ aus einem zeitgenössischen Flugblatt

Bekanntlich war die Sache mit dem Religionsfrieden noch lange nicht ausgestanden: Konfessionsfreiheit für den Fürsten bedeutete beileibe nicht Freiheit des einzelnen Bürgers. Überdies versuchte die katholische Kirche durch eigene Reformen, die Gründung des Jesuitenordens und nicht zuletzt gewaltsame Auseinandersetzungen das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Im sowohl aus politischen als auch konfessionellen Spannungen entstandenen Dreißigjährigen Krieg litt auch die Bevölkerung unserer Gemeinde. Das von einem Amtmann verwaltete Klosterareal verödete, die Frauenauracher Bevölkerung wurde vertrieben. Kriegenbrunn wurde völlig zerstört, als 1632 ein auf der Römerreuth vereinigtes Heer versuchte, Wallensteins Lager vor den Toren Nürnbergs einzunehmen. Erst nach dem Krieg wurde der entvölkerte Ort wieder von österreichischen Glaubensflüchtlingen besiedelt.

Auch der Westfälische Friede (1648) brachte keinen endgültigen Frieden in die europäische Konfessionslandschaft: 1685 widerrief Ludwig XIV., der absolutistische Sonnenkönig, das Toleranzedikt von Nantes, das den wenigen Protestanten Frankreichs fast ein Jahrhundert lang Sicherheit gewährt hatte. Viele der daraufhin ausgewanderten Hugenotten fanden in Erlangen und auch Frauenaurach eine neue Heimat. Nicht zuletzt der Zuzug von protestantischen Glaubensflüchtlingen machte 1667 in der Frauenauracher Klosterkirche den Einbau von Emporen für die nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder gewachsene Bevölkerung notwendig. Die Jahreszahl ist in einem der Pfeiler (gleich am Hauptportal) zu sehen.

Lutherisch oder reformiert?

Luther war nicht der einzige Reformator seiner Zeit, nicht einmal der erste. Aus den unterschiedichen Reformbeweungen gingen neben den Lutheranern u.a. die Reformieren hervor, die sich vor allem auf die Schweizer Reformatoren U. Zwingli (Bild oben) und J. Calvin (unten) berufen.

Johannes Calvin

Ullrich Zwingli

 

Emporenbalken mit Jahreszahl 1667


Epilog

  Briefmarke von 1952

1875 wurde in London der Reformierte Weltbund gegründet, dem heute 215 reformierte Kirchen angehören. Der Lutherische Weltbund (gegründet 1947) vereinigt heute 140 lutherische Kirchen. Auf Luthers Lehre gehen bekannte Unterschiede zwischen den Konfessionen zurück. So erkennt die ev. luth. Kirche nur zwei Sakramente an (Taufe und Abendmahl) und vertritt die Auffassung, dass Christus zwar im Abendmahl leibhaftig anwesend ist, Brot und Wein aber nicht zu seinem Fleisch und Blut gewandelt werden. Andere theologische Streitfragen betreffen das Verhältnis von staatlicher und kirchlicher Ordnung, das Priestertum aller Gläubigen oder die Rechtfertigung allein durch den Glauben.
Luthers Einfluss reicht aber auch in den Alltag: Seine Bibelübersetzung ist nicht nur ein sprachliches Meisterwerk, dem wir zahllose geflügelte Worte verdanken, sie verbindet auch damals bestehende Dialekte, mitteldeutsche Prosasprache und das Sächsische zu einem Deutsch, das durch die Möglichkeiten des Buchdrucks zur allgemeinen Hochsprache wurde.

 

Ein kleiner Irrtum zum Schluss

Luther war nicht der erste! Bereits vor Luther sind 14(!) deutsche Bibelübersetzungen entstanden. Luthers Verdienst - von der besonderen Qualität seiner Arbeit abgesehen - bestand darin, dass er erstmalig nicht aus dem in der Kirche gebräuchlichen lateinischen Text, der Vulgata, übersetzt hat, sondern die griechischen und hebräischen Urtexte verwendete. Überdies trugen natürlich die weite Verbreitung durch Gutenbergs Buchdruck und die Reformation zur einzigartigen Popularität der Lutherbibel bei.

Matthias Goertz
(unter Verwendung von Quellen aus wikipedia.de, Homepage von Kriegenbrunn, Erlanger Stadtlexikon, Brockhaus, Homepage des Luth. Weltbundes)